Juliane Diller (Illustration: Irene Sackmann)
Juliane Diller (Illustration: Irene Sackmann)

„Der Regenwald ließ mich nie los“

Von einer der jüngsten Professorinnen Deutschlands bis zur Urwaldretterin: Wir stellen vier außergewöhnliche Forscherinnen vor, die der Stifterverband auf ihrem Weg begleitet hat. Teil 2: Juliane Diller, stellvertretende Direktorin der zoologischen Sammlung in München.

Meine Eltern waren beide Vollblut-Biologen. Sie erfüllten sich als Deutsche einen Traum und gründeten 1968 in Peru Panguana, eine Forschungsstation im Regenwald. Mit 14 Jahren zog ich dorthin. Vorher fürchtete ich mich vor einem finsteren Wald, so wie im Buch Räuber Hotzenplotz. Die unberührte Natur war aber tatsächlich ein Traum.

Mit 17 nahm meine Kindheit dann ein jähes Ende. Ich überlebte einen Flugzeugabsturz, bei dem meine Mutter starb. Noch heute stecken mir die grauenhaften Geräusche in den Knochen, als die Maschine 1971 über Peru in die Tiefe stürzte: ein unfassbar lautes Zischen und Dröhnen gemischt mit den Schreien der Passagiere. Ich erinnere mich, wie dann plötzlich alles weg war und die Maschine mich verlassen hatte. Auf meine Sitzbank geschnallt sauste ich kopfüber alleine auf den Regenwald zu, der sich unter mir wie wild drehte. Ich verlor sofort das Bewusstsein. Das Kronendach der Bäume rettete mich. Elf Tage lang lief und schwamm ich einsam durch den Urwald. Er war aber nie eine grüne Hölle für mich. Ich fand mithilfe eines Fließgewässers in die Zivilisation zurück.

Wegen des Presserummels schickte mich mein Vater dann fort, zur Schwester nach Deutschland. Sie weckte meine Leidenschaft für die Germanistik, aber der Sog in die Biologie war stärker. Ich studierte in München, wo ich heute stellvertretende Direktorin der Zoologischen Staatssammlung bin und gleichzeitig deren große zoologische Bibliothek leite. Der Regenwald ließ mich aber nie los.

Zur Person

Juliane Diller (Illustration: Irene Sackmann)
Juliane Diller (Illustration: Irene Sackmann)

Juliane Diller ist stellvertretende Direktorin der Zoologischen Sammlung in München und leitet seit dem Jahr 2000 die Forschungsstation Panguana. Um das Erbe ihrer Eltern langfristig zu bewahren, gründete sie 2014 die Panguana Stiftung im Stifterverband. 2018 erhielt sie für ihr stifterisches Engagement und ihren Einsatz für die Erforschung und Bewahrung des Regenwaldes die Richard-Merton-Ehrennadel, die höchste Auszeichnung des Stifterverbandes.

Ich schütze den Regenwald gegen illegale Holzfäller und Goldwäscher. Dafür kassierte ich Morddrohungen.
Juliane Diller (Foto: Peter Himsel)
Juliane Diller (Foto: Peter Himsel)

Juliane Diller

stellvertretende Direktorin der Zoologischen Sammlung München und Stifterin

Wie Hunderte Wissenschaftler auch erforschte ich dieses fantastische Ökosystem in Panguana. Heute organisiere ich Forschungsexpeditionen dorthin. Seit dem Tod meines Vaters verantworte ich die Station – mittlerweile unterstützt durch eine Stiftung. Dazu gehört auch, dass ich den Regenwald gegen illegale Holzfäller und Goldwäscher schütze, vor Ort in Panguana, aber auch weltweit. Dafür kassierte ich bereits Morddrohungen. Sie machen mich komischerweise mutiger. Die Stiftung gibt mir Vertrauen, dass diese extrem wichtige Naturschutzarbeit andauert. Denn nur starke Verbünde können den Urwald retten.

Wenn Begeisterung ansteckt

Hier geht es zu den weiteren Forscherinnenporträts 

Alle Texte erschienen zuerst in: CARTA 2020 - Das Bildungsmagazin des Stifterverbandes

Kommentare anzeigen