Alexander Giesecke (r.) und Nicolai Schork sind zusammen "The Simple Club". (Illustration: Jaume Vilardell)

Die Vorurteilsbrecher (I)

Alle Programmierer sind Nerds? Mathe versteht sowieso niemand? Technik ist nichts für Frauen? Naturwissenschaftler haben keine Ahnung von Kunst? Von wegen! Wir präsentieren schlagende Gegenbeweise. Teil I: Der Simple Club.

An unser erstes Video kann ich mich noch gut erinnern: „Nullstellen bestimmen“ hieß es, wir haben es zusammen gedreht, als wir gerade aufs Abitur zusteuerten. Wir waren beide ganz gut in Mathe, deshalb fragten uns Freunde ständig nach irgendwelchen Erklärungen. Gleichzeitig schauten sie daheim in ganz anderen Bereichen immer bei YouTube nach Erklärvideos. Da haben wir uns gedacht: Lass uns das doch einfach verbinden! Das war die Geburt von The Simple Club.

Wenn wir in der Schule in Mathe gerade über irgendeinem Problem brüteten, drehten wir dazu ein Video. Wir erklärten darin die Differenzialgleichungen und das Ableiten so, wie wir es unseren Kumpels erklären würden, ganz locker. „Die coolsten Nachhilfelehrer Deutschlands“ nannte uns eine Zeitung mal. Tatsächlich ging unser Format ziemlich durch die Decke: Bis zum Abitur drehten wir jede Woche ein Video, immer mehr Leute schauten uns zu. Den Film mit den Nullstellen haben inzwischen 1,3 Millionen Leute gesehen. Wahnsinn!

Bei Mathe denken viele, sie seien zu dumm dafür. Wir wollen das durchbrechen.
Illustration: Jaume Vilardell

Alexander Giesecke

Bei Mathe denken viele, sie seien zu dumm dafür. Wir wollen das durchbrechen, indem wir in unseren Videos ein bisschen herablassend auf die Aufgaben schauen, da sagen wir Sachen wie: „Wenn ihr euch die Formel so anschaut, sieht die erst mal ziemlich eklig aus.“ Wenn man es schafft, dass sich die Leute auf eine Aufgabe einlassen, stellen sie auf einmal fest, dass auch sie das Zeug zu Mathe haben.

Unsere Videos kamen so gut an, dass für uns irgendwann der Moment kam, in dem wir sagten: Hey, warum erklären wir eigentlich nur Mathe? So drehten wir dann auch über Physik, Chemie und Bio. Unser Simple Club lief so gut, dass wir eine Firma gründeten. Heute haben wir 26 Mitarbeiter, die Videos gibt es inzwischen zu allen Schulfächern. Wenn es während der Prüfungszeiten richtig hochhergeht, schauen jeden Monat 600.000 Schüler unsere Filme. Von der siebenten Klasse bis zum Abitur reichen unsere Themen schon, jetzt nehmen wir noch einen Kanal für Studierende dazu – erst einmal für die Ingenieurwissenschaften, später auch für andere Fächer.

Das Verrückte ist: Wenn man hört, „Ey, die geben Nachhilfe“, dann denkt jeder erst mal an Nerds – bis er dann unsere Videos sieht und merkt, dass wir ganz normale Jungs sind. Die gleiche Erfahrung machen wir übrigens gerade im Studium, wir studieren ja beide eine Ingenieurwissenschaft. Da denkt auch jeder, dass da nur Technikfreaks im Hörsaal sitzen. Stimmt aber nicht: Da laufen ziemlich viele coole Leute rum.

Alexander Giesecke (21) und Nicolai Schork (22) werden als „coolste Nachhilfelehrer Deutschlands“ gefeiert: Sie stehen hinter der Lernplattform The Simple Club. In Videos erklären sie die Geheimnisse von Mathe, Physik und fast allen anderen Fächern. Beide sind selbst Studenten: Alexander studiert Maschinenbau in Karlsruhe, Nicolai Medieninformatik in München.

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