Foto:David Ausserhofer

Hochschullehre 2.0

Inverted Classroom, internationale Lernplattform, YouTube-Channel, – der Anglistikprofessor Jürgen Handke ist einer der Vorreiter der digitalen Lehre in den Geisteswissenschaften. 2015 hat er dafür den Ars legendi-Preis für exzellente Hochschullehre erhalten. Ein Interview über die Herausforderungen bei digitalen Kursangeboten und ein neues Verständnis von Hochschullehre.

„Bring your own device“ – wer eine Lehrveranstaltung von Jürgen Handke an der Universität Marburg besucht, braucht sein Smartphone nicht heimlich unterm Tisch verstecken. Handys, Laptops und Tablets sind ausdrücklich erwünscht. Sie bilden die Grundlage für seine Lehrkonzepte, in der digitale Lehr- und Prüfungsmethoden mit guter Präsenzlehre verbindet. 

Interview mit Jürgen Handke

Hören Sie hier das ganze Interview mit Jürgen Handke in unserem Podcast "Forschergeist"

In seinen Vorlesungen nutzt er vor allem das Inverted-Classroom-Modell. Dabei werden die Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Hörsaals umgedreht: Der Dozent stellt die Inhalte das Kurses vorab digital zur Verfügung. Die Studierenden arbeiten sich zu Hause also in das Thema ein, bevor der Stoff in sogenannten Präsenzphasen im Hörsaal noch einmal vertieft wird. „Dadurch entsteht eine völlig neue Lehrerrolle“, sagte Jürgen Handke. „Wir werden vom ‚Sage on the Stage‘ zum ‚Guide on the side‘“. 

Handke (Jahrgang 1954) ist seit 1991 Professor an der Philipps-Universität Marburg. Zu den Meilensteinen seiner akademischen Tätigkeit zählt der Aufbau des Virtual Linguistics Campus (2001). Seit 2006 setzt er das Inverted Classroom-Modell flächendeckend ein. 2013 hat er den ersten offenen Onlinekurs, einen sogenannten MOOC (massive open online course), an einer hessischen Hochschule angeboten. Im darauffolgenden Jahr hat er MOOCs und das Inverted-Classroom Mastery-Model zum IMOCC kombiniert.

Jürgen Handke (Foto: Peter Himsel)
Ars legendi-Preisträger Jürgen Handke

Ars legendi Preis für exzellente Hochschullehre

Stifterverband

Mit dem Ars legendi-Preis würdigen Stifterverband und HRK die besondere Bedeutung der Hochschullehre für die Heranbildung des akademischen Nachwuchses. Zwischen 2006 und 2012 wurde der Preis in jährlich wechselnden Disziplinen verliehen. Seit 2013 sind nun fachübergreifend bestimmte Lehr- und Lernsituation ins Zentrum gerückt, 2015 beispielsweise das Digitale Lehren und Lernen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis soll einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern.

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