Radikaler Innovation eine Heimat geben

Großkonzerne sind wie Supertanker - sie sind meist nicht so richtig beweglich, um neue Produkt- und Geschäftsideen schnell zu entwickeln und auszuprobieren. Doch Bosch zum Beispiel hat eine eigene Start-up-GmbH in Ludwigsburg gegründet, die Innovationen vorantreiben soll. Wie das funktioniert, erklärt deren CEO Peter Guse. Auf eine Sache kommt es dabei an, und Effizienz oder Qualität sind es nicht.

Was haben Kerngeschäft und radikale Innovation gemeinsam? Nicht allzu viel, um es vorsichtig auszudrücken. In deutschen Unternehmen gehen deshalb gewagte innovative Ideen im alltäglichen Prozedere auch vielerorts unter, gerade in Großkonzernen. Schuld ist die vorherrschende Firmenkultur: Unternehmen trimmen ihre Mitarbeiter fürs Kerngeschäft auf Effizienz und Präzision, wofür sie eng gefasste Regeln und Handlungsabläufe etablieren. Beides erstickt aber radikale Geschäftsideen schon im Keim, denn helle Köpfe erdenken Außergewöhnliches vor allem in Freiräumen, in denen Regeln gebrochen und eingeschliffene Handlungs- und Denkmuster auf den Kopf gestellt werden dürfen. Was also tun?

Ein Lösungsansatz wird immer beliebter: Konzerne schaffen in Deutschland „Inseln“ für Mitarbeiter, die mit radikalen Produkt- oder Geschäftsideen auffallen. Bei Robert Bosch heißt diese Insel „grow – Heimat for Start-ups“. Es ist ein interner Inkubator, der Bosch-internen Innovatoren und Start-up-Teams beste Arbeitsbedingungen bieten möchte. Das Wort Heimat ist dabei Programm: Alle Teams siedeln sich in Ludwigsburg in einer neu ausgebauten Fabrikhalle an, durch die ein Unternehmergeist à la Silicon Valley wehen soll. Die Tür steht auch externen Innovationsteams offen, die für Bosch arbeiten wollen.

Der Forschungsgipfel 2018

Logo: Stifterverband

Peter Guse ist einer der Diskutanten auf dem Forschungsgipfel 2018, bei dem rund 400 Entscheider, Experten, Vordenker und Newcomer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik öffentlich darüber beraten, wie das internationale Innovationssystem weiterentwickelt werden kann. Der Forschungsgipfel findet am 17. April 2018 in Berlin statt. Er wird live im Internet übertragen.

Alles zum Forschungsgipfel

Peter Guse, CEO der Robert Bosch Start-up GmbH, hat grow aufgebaut und dabei seine langjährigen Beobachtungen aus internationalen Innovations-Hotspots einfließen lassen. Er spricht von einer neuen Offenheit, mit der deutsche Konzerne das Thema radikale Innovation nun angehen. Selbst unter Konkurrenten würden mittlerweile wertvolle Erfahrungen über innovationsfreundliche Insel-Strukturen ausgetauscht. Hintergrund sei, dass man die deutschen lokalen Innovationsstärken intensiver nutzen wolle, wie beispielsweise im Raum Stuttgart die Mobilität.

Kommentare anzeigen