Haupteingang der TU München
Foto: Uli Benz/ TUM

Campus in Bewegung

Als erste deutsche Universität betreibt die TU München nach dem Motto „global denken, lokal handeln“ konsequent das, was man in der Geschäftswelt „Brand Extension“ nennt. Das finden nicht alle gut. Dabei eröffnet es viele Chancen.

Internationale Vorbilder für die Filialisierung von Universitäten gibt es viele, vor allem in den USA. In Deutschland aber gibt es bislang wenig Vergleichbares, und man fragt sich was tollkühner ist: die Grenzen nach Asien zu überschreiten oder die nach Baden-Württemberg?  

Die TUM nutzt dafür Opportunitäten und ungewöhnliche Partnerschaften. Mit großen Stiftungen (Heilbronn), mit Fachhochschulen (Straubing), mit internationalen akademischen und industriellen Partnern (Singapur). Nicht jedem leuchtet ein, was da passiert – und bisweilen gibt es auch Kritik. Die einen kritisieren mögliche Abhängigkeiten, die sich aus der Kooperation mit privaten Partnern ergeben könnten. Die anderen fürchten Konflikte in der Steuerung dieser Unternehmungen zwischen Standort und Zentrale. Dabei werden oft die großen Potenziale und Gewinne übersehen, die in solchen neuen Formen der Zusammenarbeit stecken: Man kann Fachkräfteentwicklung vor Ort betreiben, dort wo Firmen ihre Sitze haben und gut ausgebildete Menschen brauchen. Und man tut dies nach den Qualitätsmaßstäben und mit der Reputation einer Exzellenzuniversität, die umgekehrt ihr eigenes Lehr- und Forschungsportfolio mit Top-Wissenschaftlern erweitern kann. 

So ungewöhnlich diese Wege für deutsche Hochschulen noch sind, so sind sie doch Vorboten und Vorbilder zugleich für innovative Hochschul­entwicklungs­modelle. Durch Globalisierung und Digitalisierung gerät das Campus-Konzept insgesamt in Bewegung: als kultureller Raum, als physischer Ort, als technologische Infrastruktur und als architektonische Herausforderung. 

Hochschulmanager fragen sich: Was muss ich tun, damit die Universität weiterhin attraktiv für die besten Forscher, die besten Studierenden und für innovative Partner­schaften mit der Gesellschaft ist. Was muss ich bieten, damit Studierende weiterhin gerne an meiner Universität zusammentreffen, obwohl man die Inhalte von Vorlesungen bequem im Netz herunterladen kann? Wie verändern sich Lernräume und Forschungs­infrastrukturen in Zeiten digitaler Vernetzung? Wie und wo kann sich Hochschule als Ankerinstitution von Innovations­ökosystemen verorten? 

Der Autor

Volker Meyer-Guckel (Foto: David Ausserhofer)

Volker Meyer-Guckel ist stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung des Stifterverbandes. Er leitet den Bereich "Programm und Förderung".

Ein Gang über den Campus amerikanischer Westküstenuniversitäten lehrt: hier reihen sich Gebäude von Unternehmen, akademischen Lehr- und Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren unmittelbar aneinander, umgeben von gemeinsam genutzten Begegnungsstätten und Serviceeinrichtungen. 

So sieht ein Hochschulmodell von morgen aus.
Volker Meyer-Guckel (Foto: David Ausserhofer)

Volker Meyer-Guckel

Auch in Deutschland machen sich einige wenige Universitäten auf einen solchen Weg. So betreibt etwa die RWTH in Aachen konsequent Campus-Entwicklung in Public Private Partnership, mit gemeinsamer Finanzierung und Nutzung von Forschungslaboren durch Universität und Industriepartner, wo transdisziplinär an neuen Logistik-, Mobilitäts-, Umwelt- oder Fertigungskonzepten gearbeitet wird. Und die Hochschule München hat angekündigt, gemeinsam mit dem Münchener Flughafen einen LabCampus zu betreiben, auf dem innovative Produkte, Dienstleistungen und neue Bildungsformate entstehen werden. 

Dahinter steckt Methode: als Hochschulentwicklungsstrategie - auch an ungewöhnlichen Orten - und als neue Manifestationen einer Zusammenarbeit zwischen Forschern und Innovatoren, bei denen Ideen, Ressourcen und Erkenntnisse zusammengeführt werden. So sieht ein Hochschulmodell von morgen aus.

Kommentare anzeigen