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Kopfsache Essen

Der Molekularbiologe Jens Claus Brüning spricht bei "Forschergeist" über das neue Verständnis unseres Ernährungssystems, die ausgebremste Evolution und die Volkskrankheit Übergewicht.

Fettleibigkeit wird im wahrsten Sinne des Wortes zu einem immer gewichtigeren Thema. Alleine in den USA bringt mittlerweile jeder Zweite zuviel auf die Waage. Betroffenen haftet das Stigma an, dass es ihnen an Willensstärke fehlt, die Kalorienaufnahme zu zügeln. Doch die Ursachen von Übergewicht sind vielschichtiger – und sie haben vor allem etwas mit der evolutionären Optimierung des Organismus zu tun, die aus der Zeit stammt, als Nahrung ein knappes Gut war. Auf unsere heutige Wohlstandsgesellschaft, in der in aller Regel kein Nahrungsmangel herrscht, ist der Mensch eben nicht angepasst.

Erst seit wenigen Jahrzehnten beginnt die Wissenschaft genauer zu verstehen, wie zum Beispiel das Insulinhormon im Körper seine Wirkung entfaltet. Wie der Mechanismus des Stoffwechsels im Einzelnen funktioniert, ist das Forschungsfeld des Mediziners Jens Claus Brüning. Er leitet das Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung und ist Direktor der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetes und Präventivmedizin (PEDP) an der Universitätsklinik Köln. 

Als Endokrinologe, also als Hormonforscher nimmt Brüning keineswegs nur die Organe in den Blick, die man landläufig mit dem Thema Stoffwechsel in Verbindung bringt, wie die Bauchspeicheldrüse oder die Leber. Das Gehirn spielt tatsächlich eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Energiehaushalts und somit auch für die Nahrungsaufnahme. In den letzten Jahren gab es eine geradezu revolutionäre Weiterentwicklung an Werkzeugen, um zu untersuchen, wie bestimmte Hirnzellen als Steuerungszentrale für den Stoffwechsel dienen. Ein weiterer Schritt, um nicht nur das komplexe Hormonsystem, sondern auch den Schalt- und Bauplan des Gehirns zu entschlüsseln.

Jens Claus Brüning

Jens Claus Brüning (Foto: Markus Scholz/Leopoldina)

Jens Claus Brüning erhielt im Jahr 2018 den Carl Friedrich von Weizsäcker-Preis. Mit der Auszeichnung ehren der Stifterverband und die "Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina" Wissenschaftler oder Forscherteams, die einen Beitrag zur wissenschaftlichen Bearbeitung gesellschaftlich wichtiger Problembereiche geleistet haben. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Seit 2011 ist Brüning Direktor der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (PEDP) der Universitätsklinik Köln. Im gleichen Jahr wurde er zum Direktor am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, Köln berufen.

Hören Sie hier die ganze Folge mit Jens Claus Brüning:

Der Forschergeist-Podcast

Forschergeist ist ein Podcast-Angebot des Stifterverbandes und des Berliner Podcastlabels Metaebene. Forschergeist ist ein Podcast über Bildung und Forschung. Wir bieten Einblicke in die Arbeit von Wissenschaftlern und versuchen auszuloten, was Forschergeist ausmacht: Neugier, Ausdauer und Mut.

Moderator Tim Pritlove spricht mit Wissenschaftlern und anderen Aktiven des Wissenschaftssystems über aktuelle und zukünftige Trends und Praktiken für die Bildung, die Forschung und die Organisation und Kommunikation der Wissenschaft. Die ausführlichen Gespräche wenden sich vor allem an junge und angehende Wissenschaftler, die nach Möglichkeiten suchen, ihre Forschung und Lehre den neuen Bedürfnissen der Zeit auszurichten. Forschergeist erscheint im Schnitt alle drei Wochen neu. Er ist über allle gängigen Podcast-Verzeichnisse zu abonnieren. 

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