Foto: istock.com/tuachanwatthana
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Intelligente Sensoren

Wasserproben in Sekundenschnelle analysieren? Die Sensoren des jungen Start-ups InProSens machen es möglich. Teil 3 unserer Reihe Gründerporträts.

Familienunternehmen in der Start-up-Branche sind eher eine Seltenheit. Doch das Spin-off InProSens der Universität Oldenburg kann sich mit Fug und Recht als eines solches bezeichnen: René Ungermann, seine Frau Alexandra Ungermann und sein Schwager Thore Stratmann haben im August dieses Jahres das Unternehmen InProSens gegründet. „Wir entwickeln innovative Sensoren, die sich in der Prozessanalytik in der Produktion einsetzen lassen und in kürzester Zeit unzählige Substanzen messen können“, sagt Gesellschafter Ungermann, der an der Universität Oldenburg Chemie studierte.

Gründerteam InProSense (Foto: InProSense)
Gründerteam InProSense (Foto: InProSense)
Das Gründerteam von InProSens (v. l.): René Ungermann, Alexandra Ungermann, Thore Stratmann

Beispiel Wasserproben: Bislang werden Schadstoffe in Gewässern bestimmt, indem die genommenen Proben aufwändig in ein Labor geschickt und dann dort analysiert werden. Dies kann mehrere Tage oder gar Wochen dauern, je nachdem, welche Schadstoffe im Fokus stehen. Das Oldenburger Start-up setzt dagegen mit seinem Produkt auf ein wesentlich schnelleres, effizienteres und kostengünstigeres Verfahren als bisher in der Laboranalytik üblich. „Die von uns entwickelten Sensoren entnehmen automatisch eine Probe, bereiten sie auf und bestimmen dann nach einigen Minuten oder gar Sekunden den Wert“, erläutert Ungermann. Mit diesen Analysesystemen lassen sich aber nicht nur Schadstoffe in Gewässern überwachen, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Salze, Schwermetalle oder Pestizide lassen sich genauso messen wie Antibiotikarückstände, Nähr- und Süßstoffe. Und auch Substanzen in festen Substraten können in wenigen Sekunden bestimmt werden, beispielsweise der Fettgehalt oder der Anteil an Proteinen in Milchprodukten wie etwa Käse oder der Ligningehalt in Papier.

GUTES NETZWERK IN DER REGION

Auf die Idee zur Ausgründung kam René Ungermann, während er an der Fakultät Chemie der Universität Oldenburg nach seinem Studium an einem Projekt zur Sensorenentwicklung im Meer- und Flusswasserbereich forschte. Parallel arbeitete seine Frau als Chemikerin im Bereich Sensorik in der Privatwirtschaft. „Irgendwann dachten wir, dass wir uns eigentlich auch selbstständig machen können. Wir hatten so viele Ideen, sind hier vor Ort bestens vernetzt und wollten das einfach versuchen“, erinnert er sich. Auf dem Weg zur Gründung spielte die Universität eine wichtige Rolle. Die Gründer konnten die Labore der Universität weiter nutzen und bekamen wissenschaftliche Unterstützung von ihrer Professorin Katharina Al-Shamery, Leiterin der Arbeitsgruppe Physikalische Chemie. Die nächsten Schritte führten die Gründer ans Gründungs- und Innovationszentrum (GIZ) der Uni Oldenburg. Sie ließen sich beraten, welche Fördermöglichkeiten existieren und wie man die Selbstständigkeit vorantreibt. Mit Erfolg: InProSens wurde beispielsweise über das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

Das GIZ ist die zentrale Anlaufstelle am Campus für alle Gründungsinteressierten. Das Team von InProSens haben wir intensiv begleitet, die Geschäftsidee und das -modell weiterentwickelt, Förderanträge gestellt und in schweren Zeiten Lösungen aufgezeigt, indem wir unsere Netzwerkpartner aktiviert haben.
Cindy Stern (Foto: Markus Hibbeler/Gründungs- und Innovationszentrum Oldenburg)
Cindy Stern (Foto: Markus Hibbeler/Gründungs- und Innovationszentrum Oldenburg)

Cindy Stern

Universität Oldenburg, Referat Forschung und Transfer, Gründungs- und Innovationszentrum

Der Oldenburger weiß die heimischen Gefilde als Standort für sein Start-up zu schätzen. „In Großstädten wie Berlin oder München wäre uns die Gründung schwerer gefallen, weil die Konkurrenz für eine Förderung sehr viel größer ist“, sagt Ungermann. Oldenburg habe dagegen genau die richtige Größe, sei weder zu klein, noch zu groß. „Das Netzwerk mit der Stadt, der Industrie- und Handelskammer oder dem Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg funktioniert sehr gut, man kennt sich in der Region“, sagt er. Und noch einen Vorteil bringe die eher beschauliche niedersächsische Stadt mit: „Es gibt nicht so viele Konkurrenz im Hightech-Bereich, sodass wir leichter gut qualifiziertes Personal finden.“ Denn das Start-up InProSens will weiter expandieren. Und dazu zählt auch, in Bälde neue Mitarbeiter einzustellen.

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Das Porträt ist im Dezember 2018 zuerst erschienen in Gründungsradar 2018

Der Gründungsradar

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Im Gründungsradar untersucht der Stifterverband, wie es an den Hochschulen um die Gründerkultur bestellt ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Hochschulen die Gründung von Unternehmen fördern, zum Beispiel durch Sensibilisierung des Themas unter Studierenden und Wissenschaftlern, durch Unterstützung in Form von Beratung, Aufbau von Infrastruktur oder Finanzierungsmöglichkeiten sowie durch institutionelle Verankerung einer Gründungskultur in Stabsstellen oder autonomen Fakultäten. In die Bewertung fließt auch ein, wie erfolgreich die Hochschulen dann tatsächlich bei der Unternehmensgründung sind.

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