Antje Boetius (links) (Foto: Stifterverband)

Die Entdeckerin

Die Erde ist größtenteils mit Wasser bedeckt. Doch selbst unser Sonnensystem ist besser erforscht als die Tiefsee. Die Polar- und Meeresforscherin Antje Boetius will das ändern. Videoporträt einer mitreißenden Forscherin.

„Es gibt riesige Teile der Erde, von denen wir gar nichts wissen.“ Eine Erkenntnis, die Antje Boetius besonders anspornt. Seit vielen Jahren erforscht die Wissenschaftlerin nun schon die unbekannte Tiefsee und hat an mehr als 40 Expeditionen auf internationalen Forschungsschiffen teilgenommen. Der Erkenntnisgewinn, das Verstehen treibt sie dabei unentwegt an. „Für mich ist das besondere Element in der Forschung das Entdecken. Dort hingehen, wo man gar nichts weiß. Grenzen der Wissenschaft zu verschieben, ist für mich immer schon das Große an der Wissenschaft gewesen.“

Aktuell bereitet sie eine neue Expedition in die Arktis vor. Es geht um die Frage, welche Folgen der Klimawandel auf die Biogeochemie und die Biodiversität des Arktischen Ozeans hat. „Unsere Daten, unsere Bilder von heute werden in drei Generationen das einzige Wissen sein, um zu verstehen: Wie war das Meer, als es noch nicht so warm war?“

Videoporträt: Antje Boetius

„Für mich ist das besondere Element in der Forschung das Entdecken.“

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Tiefseeaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von MARUM, Universität Bremen

Die Forscherin

Antje Boetius ist Tiefseeforscherin und Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen. Geboren 1967 in Frankfurt am Main studierte sie von 1986 bis 1992 in Hamburg und San Diego Biologische Ozeanographie und promovierte in 1996 über Tiefseemikrobiologie. Nach Aufenthalten an verschiedenen Meeresforschungsinstituten etablierte sie von 2003 bis 2008 eine Arbeitsgruppe zur Erforschung mikrobieller Habitate im Ozean am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Seit Ende 2008 ist sie Leiterin der Helmholtz-Max-Planck-Brückengruppe für Tiefseeökologie und -Technologie am Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven und im Vorstand des Excellenzclusters MARUM der Universität Bremen.

Antje Boetius ist aber auch eine erfolgreiche Wissenschaftskommunikatorin. Ihre Arbeit machte sie einer breiten Öffentlichkeit durch Publikationen, Fachartikel und auch zahlreiche TV-Auftritte in Wissenschaftsendungen zugänglich. Ihre Erfahrungen bringt sie auch in der vom Stifterverband mitgegründete Initiative „Wissenschaft im Dialog“ ein. Seit 2015 sitzt sie hier dem Lenkungsausschuss vor. 

Transkript des Videos

Heute in unserem Alltag denken wir gar nicht darüber nach, dass es riesige Teile der Erde gibt, von denen wir gar nichts wissen. Es scheint uns natürlich, dass wir ans All denken, dass wir zum Mond, zum Mars schauen, um etwas Neues zu entdecken, aber in Wahrheit liegt auch noch ganz viel unergründet eben in der Tiefsee.

Ein riesiger Raum, 60 Prozent der Erde, und wir Forscher haben noch nicht einmal 0,1 Prozent dieses Raumes erschlossen. Mein Name ist Antje Boetius, ich bin Polar- und Meeresforscherin.

Meine Arbeit besteht neben Lehre, Forschungsmittel einwerben und Veröffentlichungen schreiben besonders auch daraus, dass ich auf Expeditionen gehe und dann in die Tiefsee schauen kann, um herauszufinden, welche Rolle sie spielt für den Planeten Erde.

Gerade sind wir wieder dabei, die nächste Expedition vorzubereiten. Sie geht nahe des Nordpols. Dort ist ein riesiger Seeberg. Der Seeberg liegt unter dickem Eis. Wir fahren mit dem Eisbrecher "Polarstern" dorthin und versuchen erstmals, mit Robotern bis zum Meeresboden vorzudringen und nachzuschauen, ob wir einen Hotspot des Lebens in der Arktis finden.

Das ist in der Meeresforschung so, dass wir für die Anforderungen, die wir haben, jeweils gezielt Geräte bauen. Wenig davon ist Standard. Man kann nichts davon irgendwo einfach in einem Technik-Kaufhaus kaufen. Es geht immer darum, die Technik ein bisschen weiter zu pushen, damit wir schneller lernen können.

Kein Lebensraum der Erde ändert sich schneller als die Arktis durch den Klimawandel und die Eisschmelze. Unsere Daten, unsere Bilder von heute werden in drei Generationen das einzige Wissen sein, um zu verstehen: Wie war das Meer, als es noch nicht so warm war?

Was ist mit dem Kohlenstoff-Kreislauf? Warum bleibt manchmal mehr im Tiefseeboden liegen als anderswo? Was sind eigentlich die Grenzen des Lebens? Jeder Mensch hat dieses Gefühl schon mal gehabt, schon mal gehabt, wenn man was wissen will, und auf einmal macht's: Klick! Und man hat dieses großartige Gefühl: Ich hab's kapiert! So ist das!

Für mich das besondere Element in der Forschung ist das Entdecken. Dorthin gehen, wo man gar nichts weiß, und die Grenzen des Wissens zu verschieben. Das ist für mich schon immer das Größte an der Wissenschaft gewesen.

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